Die Orgeln der Marienkirche

Die Steinmann-Orgel (1956)

Auf der Westempore finden wir die Orgel aus der Vlothoer Orgelbauwerkstatt. Sie ist ein wichtiges Ergebnis der europäischen „Orgelbewegung“, die sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts vom romantischen und meist pneumatischen Orgelbau abwendet. Durch Wiederentdeckung des barocken Orgelbaus orientiert sich die Orgelästhetik ganz neu und besinnt sich auf Prinzipien des 16.bis 18. Jahrhunderts: die „Werkorgel“, in klar voneinander unterscheidbaren Haupt-, Brust-, Rück-, Ober- und Pedalwerken, gewinnt an Bedeutung. So ist unsere Orgel in ihrer Grundkonzeption dem norddeutschen Barock nachempfunden und daraus zu einer ‚Universalorgel‘ weiterentwickelt. Die Orgel wurde 1975 um eine elektrische Setzeranlage und ein Schwellwerk als Rückpositiv bereichert. Dieses ist auch einzeln als Chororgel bespielbar. Auf drei Manualen und Pedal mit 40 Registern ist ein großer Teil des Orgelrepertoires zwischen Renaissance und Moderne darstellbar. Seitlich flankierend sehen wir in zwei Türmen das Pedalwerk, im Vordergrund das Rückpositiv, darüber erhebt sich das in sich fünfgliedrige Hauptwerk mit dem Brustwerk. 

Die Disposition der Steinmann-Orgel

Brustwerk (III, C – g’’’, schwellbar)

1. Gedackt 8’
2. Prinzipal 4’
3. Rohrflöte 4’
4. Oktave 2’
5. Terz 1 3/5’
6. Quinte 1 1/3’
7. Oktave 1’
8. Zimbel III-fach
9. Regal 8’
10. Tremulant

Hauptwerk (II, C – g’’’)

11. Bordun 16’
12. Prinzipal 8’
13. Holzflöte 8’
14. Oktave 4’
15. Blockflöte 4’
16. Nasat 2 2/3’
17. Oktave 2’
18. Gemshorn 2’
19. Mixtur VI-fach
20. Oktav-Zimbel III-fach
21. Trompete 8’
22. I/II
23. III/II

Rückpositiv (I, C – g’’’, schwellbar)

24. Spitzprinzipal (im Prospekt, vor der Schwelljalousie stehend) 8’
25. Rohrpommer 8’
26. Weitprinzipal 4’
27. Flötgedackt 4’
28. Sesquialtera 2 2/3’ + 1 3/5’
29. Flachflöte 2’
30. Mixtur V-fach
31. Schalmey 16’
32. Kopftrompete 8’
33. Clairon 4’
34. Tremulant
35. III/I

Das Rückpositiv besitzt eine eigene Tastatur und ist so auch als Positiv zu Begleitzwecken nutzbar

Pedal (C – f’, dis unter dis’, parallel)

36. freigelassen für ein weiteres Register
37. Prinzipal 16’
38. Subbass 16’
39. Oktave 8’
40. Pommer 8’
41. Oktave 4’
42. Holzpfeife 4’
43. Nachthorn 2’
44. Rauschpfeife IV-fach
45. Fagott 16’
46. Clarine 4’

Die Collon-Orgel (2004)

Die an der Südwand befindliche Orgel entstammt der Orgelbauwerkstatt von Patrick Collon/ Brüssel. Sie wurde ermöglicht durch eine großzügige Schenkung des Herforder Unternehmers und Gemeindegliedes Dieter Ernstmeier. Die Erkenntnisse und Einsichten um Klangästhetik und handwerkliche Verfahren haben sich während der 50 Jahre, die zwischen beiden Orgeln liegen, revolutionär weiterentwickelt. Äußerlich einem italienischen Renaissance-Orgelprospekt frei nachempfunden, finden wir in ihr die Frucht langjähriger Erfahrung des südeuropäisch geprägten Orgelbaus. Auch diese Orgel teilt sich in Werke: ein Unter- und ein Hauptwerk, welches optisch das Pedalwerk integriert. Das Herzstück ist ein Prinzipal-Plenum und ein lückenlos besetzter Flöten-Chor, verschiedene charakteristische Soloregister und die waagerecht gebauten spanischen Chamaden. Mit 32 Registern ist sie besonders geeignet für die Musik der Renaissance und des Barock. Die „Lunge“ des Werkes steht mit ihren drei Bälgen, die mit Motor oder von Hand betrieben werden können, neben dem Instrument und sorgt für eine stabile Windversorgung. 

Die Disposition der Collon-Orgel

I Hauptwerk

1. Bourdon 16'
2. Prinzipal 8'
3. Gedeckt 8'
4. Salicional 8'
5. Oktave 4'
6. Flöte 4'
7. Quinte 2 2/3'
8. Oktave 2'
9. Terz 1 3/5'
10. Quinte 1 1/3'
11. Mixtur IV
12. Cornet V 8'
13. Trompete 8'
14. Chamade 4'/8'

II Unterwerk

15. Gedeckt 8'
16. Traversflöte 8'
17. Prinzipal 4'
18. Fugara 4'
19. Nasat 2 2/3'
20. Oktave 2'
21. Flageolet 2'
22. Terz 1 3/5'
23. Larigot 1 1/3'
24. Mixtur III
25. Cromorne 8'
26. Vox humana 8

Pedal

27. Subbass 16'
28. Principalbass 8'
29. Gedecktbass 8'
30. Oktavbass 4'
31. Posaunenbass 16'
32. Trompetenbass 8'

Das Orgelpositiv der Firma Tzschöckel (1979)

Das Tzschöckel-Positiv

Das transportable, stimmungskonstante Continuo-Positiv der schwäbischen Orgelbaufirma Reinhart Tzschöckel/Althütte hat Schleifladen und eine mechanische Traktur. Von den fünf Registern ist eins in Bass- und Diskantlage bei h/c’ geteilt. Das Instrument wird zur Kinderkirche und zu Tauffeiern eingesetzt.