16. Juni / 20. Juni / 23. Juni: JEREMIA - In die Asche geschrieben. Szenisches Oratorium.

Erstellt am 16.06.2019

Aufführungen in Minden, Dortmund und Herford

Herford
Sonntag, 23. Juni 2019, 20.00 Uhr
St. Marien Stiftberg, Stiftbergstraße 33

Dortmund
Donnerstag, 20. Juni 2019, 20.00 Uhr
Stiftskirche St. Clara, Am Stift 8, 44263 Dortmund
(Aufführung im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentags)

Minden
Sonntag, 16. Juni 2019, 20.00 Uhr
St.-Marien-Kirche, Stiftstraße 2b, 32427 Minden
(Uraufführung)

Eintrittskarten (10 Euro, erm. 5 Euro, für Kinder ist der Eintritt frei) sind an der Abendkasse erhältlich.

"Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt?" (Jeremia 23,29)

Das szenische Oratorium erzählt die Geschichte des alttestamentlichen Propheten Jeremia von seiner Berufung durch Gott bis zu seiner Verschleppung ins Exil nach Ägypten:

Jeremia warnt in den Jahrzehnten vor der Eroberung Israels durch die Großmacht Babylon vor dem drohenden Zusammenbruch. Er ruft sein Volk und die Könige auf, umzukehren: Gottes Willen zu erfüllen und für Gerechtigkeit im Land zu sorgen. Jeremias Rufen ist vergeblich, am Ende wird Israel von Babylon überrannt und versinkt in der Asche.

Jedoch hört Jeremia mitten in der Katastrophe Gottes Versprechen, sein Volk nicht im Stich zu lassen, sondern sich seiner zu erbarmen und einen neuen Bund mit ihm zu schließen.

Im Spiegel der alttestamentlichen Geschichte scheinen heutige gesellschaftliche Probleme neu auf: sozialer Zusammenhalt und Verteilungsgerechtigkeit, Umgang mit Minderheiten, freie Meinungsäußerung, Nachhaltigkeit und Zukunft des Planeten – all das verbindet sich mit der Frage danach, ob Gott uns Menschen die Treue hält, wenn wir immer wieder neu versagen.

In dem szenischen Oratorium spielen und singen die musikalischen Akteure in einem virtuellen Bühnenbild, das durch Videoprojektionen entsteht.

In die Asche geschrieben

Das Unheil, das Jeremia heraufziehen sieht, beginnt mit einem alle Vorstellungen übersteigenden Feuer. Ein Wald steht in Flammen und erhitzt einen Kochtopf, der bis zum Himmel reicht. Dieser neigt sich, und es regnet kochendes Wasser auf das Land Israel – die Babylonier werden kommen.

Das Unheil, das Jeremia voraussagt, erfüllt sich. Jerusalem zerfällt zu Asche – erobert von den Babyloniern. In den vierzig Jahren zwischen der ersten Vision und ihrer Erfüllung warnt Jeremia und gibt Gottes Frage an die Israeliten weiter: „Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt?“ 

Das Volk Israel und seine Führer schlagen die Warnung Jeremias in den Wind. Sie ernten Sturm. In den rauchenden Trümmern hört der gescheiterte Jeremia Gottes Stimme noch einmal neu: Sie spricht von Gottes brennender Liebe zu seinem Volk. All das diktiert Jeremia seinem Schreiber Baruch. Machtlose, vergebliche Worte, in die Asche geschrieben.

Seither lesen Menschen diese Worte aus der Asche. Die Glut, die in diesen Ascheworten steckt, setzt immer wieder neu Herzen in Brand. Wen das Feuer der Warnungen, Kämpfe und Hoffnungen des Jeremia ansteckt, der wird versuchen, die Fackel der Prophetie neu zu erheben.

Jeremia

Keiner weiß, wer Jeremia wirklich war. Sein Geburtsdatum ist nicht bekannt. Wurde er im Jahr 627 vor Christus berufen, zur Zeit des letzten großen Königs Israels, Josija? Und verstummte er wirklich genau 40 Jahre später, 587 vor Christus, als Jerusalem von den Babyloniern eingenommen wurde? Es ist anzunehmen, dass Jeremias letzte Worte aus dem ägyptischen Exil stammen, in das die übriggebliebenen Juden geflohen waren, und dass er gegen 580 vor Christus in der Fremde starb. Äußerlich wird es in der Erzählung zunehmend dunkler um Jeremia. Sein Volk sinkt immer tiefer. Der gewaltsame Tod rückt immer näher. Innerlich strahlt das Licht Gottes heller und heller. Gott warnt, zürnt und droht. Gott verwirklicht seine Drohungen. Jeremia begreift: Gott tut das aus glühender Liebe für sein Volk. Er wird nicht sein Volk vernichten. Er will es richten. Und einmal von ihm gerichtet, soll es rein und neu auferstehen.

Wie kaum eine andere Figur des Alten Testamentes rang Jeremia darum, Gott zu vertrauen und Gottes Wille Geltung zu verschaffen. Jeremias Vertrauen zu Gott durchlief alle Stadien von Hoffnung bis zum tiefsten Zweifel und brachte ihn in eine schier unerträgliche Spannung zu seiner Zeit. Er sollte die Katastrophe für sein Land vorhersagen und konnte sie doch damit nicht verhindern. Obwohl ihn diese Ausweglosigkeit an den Rand der Depression trieb, gab er sein Vertrauen nicht auf. Vielmehr erblickte er just im Moment des Zusammenbruches Visionen von Hoffnung. Mit dieser Hoffnung ist er im namenlosen Dunkel der Deportation verschwunden.

Szenisches Oratorium

In dieser Mischform aus Theater und Oratorium agieren die musikalischen Akteure szenisch vor einem reduzierten Bühnenaufbau mit wenigen Requisiten. Rein musikalische Anteile, reine Sprechszenen, pantomimische und melodramatische Passagen vor Beamer-Projektionen wechseln sich ab und bilden ein facettenreiches Gesamtkunstwerk. Ein Erzähler begleitet die Handlung und vermittelt zwischen den einzelnen Szenen. Alle Musiker sind auf der Bühne vor den Projektionsflächen zu sehen, alle Schauspieler treten aus dem Klangkörper heraus und binden sich wieder ein.

"Unterschiedliche Personengruppen kommen zusammen, verschiedene Kunstformen werden miteinander verbunden, auf vielfältige Weise fremde Musikstile miteinander verknüpft. Allein dadurch wird punktuell im Medium der Kunst die Utopie einer versöhnten Gesellschaft aufscheinen. Die sozialen Unterschiede und die künstlerischen Differenzen werden nicht verschmolzen und eingeebnet, sondern produktiv nebeneinander gestellt und kombiniert. Was entsteht, wird verklingen und verwehen wie Schrift in der Asche. Gerade so soll es Spuren hinterlassen." (Manuel Schilling)

Reportage in "Unsere Kirche"

"Zwischen Zuversicht und Elend": Lesen Sie in einem Beitrag von Thomas Krüger in der Zeitung "Unsere Kirche" mehr über das das Kooperationsprojekt und die Probenarbeit:

Zeitungsartikel als PDF laden (1,3 MB)

Wir danken "Unsere Kirche" für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung!

In einer Mischform aus Musik, Erzählung, szenischer Aktion und Pantomimik entwickelt sich die Dramatik des Oratoriums vor einer Kulisse aus computeranimierten Projektionen, hier zu sehen in einer Simulation (Konzept und Umsetzung: Johann Schilling).

Ausführende des Kooperationsprojektes

  • Kinderchor und Jugendkantorei der Chorschule St. Marien, Minden; Leitung: Anna Somogyi
  • Chor der Hochschule für Kirchenmusik, Herford
  • Streicher-Ensemble, Bläser-Ensemble und Percussion
  • Orgel: Dmitri Grigoriev, Lüdenscheid
  • Klavier: Anna Somogyi, Minden
  • Gesamtleitung: Prof. Hildebrand Haake, Hochschule für Kirchenmusik, Herford
  • Szenische Umsetzung: Viola Schneider, Theaterpädagogin, Stadttheater Minden
  • Visuelles Regiekonzept: Johann Schilling, Minden
  • Licht/Technik: Oliver Roth, Minden

Komposition
Martin Brenne und Dennis Mayer, beide Köln

Textbuch
Pfarrer Dr. Manuel Schilling, St. Marien Minden

Idee und Koordination
Pfarrer Dr. Manuel Schilling, St. Marien, Minden, Prof. Dr. Helmut Fleinghaus, Hochschule für Kirchenmusik, Herford