LEIDER NICHT ÖFFENTLICH: 05. Juli 2020, 17:00 Uhr: Orgelkonzert in Gütersloh, St. Pankratius

Künstlerische Reifeprüfung Mechthild Scholz (Klasse Christoph Grohmann)

+++ Aufgrund des aktuellen Lockdown im Kreis Gütersloh kann die Prüfung bedauerlicherweise nicht als öffentliches Konzert stattfinden. +++

Programm

Im Rahmen ihrer Künstlerischen Reifeprüfung im Fach Orgelliteraturspiel ist Mechthild Scholz mit folgendem Konzertprogramm in St. Pankratius, Gütersloh, an der Rieger-Orgel zu hören:

Pierre du Mage (1674-1751)
Suite du premier ton
Plein Jeu – Fugue – Trio – Tierce en Taille – Basse de Trompette – Récit – Duo – Grand Jeu
 
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Sonata III d-Moll BWV 527
Andante – Adagio e dolce – Vivace
 
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Fantasie f-Moll KV 608
Allegro – Andante – Tempo primo
 
Franz Liszt (1811-1886)
Praeludium und Fuge über B.A.C.H.
 
Maurice Duruflé (1902-1986)
aus: Prélude, Adagio et Choral varié sur le thème du "Veni Creator" op. 4
Choral varié (Andante religioso – Poco meno lento – Allegretto – Andante espressivo – Allegro)

 

 

 Mechthild Scholz ...

... wurde 1989 in Bielefeld geboren. Bereits in ihrer Kindheit erhielt sie intensiven Klavier- und Orgelunterricht. 2007 gewann sie mit dem 1. Satz des 2. Klavierkonzertes von Mendelssohn einen 1. Preis bei einem Wettbewerb für Kinder und Jugendliche in Moskau.

Von 2008 bis 2015 studierte sie an der Hochschule für Kirchenmusik Herford unter anderem Orgelliteraturspiel bei Stefan Kagl und Christoph Grohmann. 2012 legte sie ihr B-Examen Kirchenmusik ab, 2015 eine Prüfung auf Master-Niveau im Fach Orgelliteraturspiel. Außerdem nahm sie an zahlreichen Kursen u.a. bei Holger Gehring, Martin Sander und Zsolt Gárdonyi teil.

Zurzeit ist Mechthild Scholz u.a. als Organistin an der Johanneskirche in Everswinkel und als freiberufliche Instrumentalpädagogin tätig. Darüber hinaus blickt sie auf eine langjährige Konzerterfahrung zurück. Einen Schwerpunkt in ihrem Repertoire bildet die Orgelmusik der Klassik.

Seit 2018 studiert sie an der Hochschule für Kirchenmusik Herford bei Christoph Grohmann Orgelliteraturspiel mit dem Ziel der Künstlerischen Reifeprüfung.

Über das Konzertprogramm

Pierre du Mage war Schüler von Louis Marchand. Mit 45 Jahren legte er das Amt des Titularorganisten an der Kathedrale von Laon wegen Differenzen mit seinen Vorgesetzten nieder und wurde Verwaltungsbeamter. Von seinen Werken ist einzig das „Premier livre d'orgue“ von 1708 erhalten. Es beinhaltet lediglich die Suite du premier ton, die sich aus acht Stücken in den traditionellen französischen Formen zusammensetzt und als eines der herausragenden Orgelwerke des französischen Barock gilt. Sein zweites „Livre d'orgue“ ist leider verschollen. Typisch in der französischen Orgelmusik des Barock ist die Betitelung der einzelnen Sätze entsprechend ihrer vom Komponisten festgelegten Registrierung. Durch diese ergibt sich innerhalb der Suite eine große Abwechslung und Gegensätzlichkeit hinsichtlich der Klangfarbe und auch des Charakters. Eine weitere Eigenart dieses Stils ist der von den Cembalisten ins Orgelspiel übertragene reichhaltige Gebrauch von Ornamenten (Verzierungen). Eigenständig verwendetes Pedal ist einzig in der Tierce en Taille (Terz-Registrierung im Tenor) vorgesehen, womit sich das außergewöhnlich reizvolle Stück von den anderen Sätzen abhebt. Im abschließenden Grand Jeu ist das Doppel-Echo auffällig und ergibt an großen Instrumenten eine wunderbare Wirkung.

Johann Sebastian Bach komponierte seine sechs Triosonaten in den Jahren 1727-32 als Lehrmaterial für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann. Eine Triosonate ist gewöhnlich ein kammermusikalisches Werk für zwei Melodieinstrumente und Basso Continuo. Bei den Triosonaten für Orgel werden diese drei Stimmen auf zwei Manuale und Pedal verteilt. In ihrer klanglichen Leichtigkeit und Eleganz einmalig, weisen sie dennoch größte spieltechnische Schwierigkeiten auf und sind darum bis heute Pflichtbestandteil des Orgelstudiums auf hohem Niveau. Die beiden Oberstimmen sind entsprechend kammermusikalischen Vorbildern gleichwertig komponiert und wechseln sich in ihrer Rolle als Melodiestimme und Gegenstimme fortwährend ab. Der 1. Satz Andante ist in der Art eines imitatorischen Dialoges der zwei Oberstimmen komponiert. Begleitet werden sie von einer teilweise getupften Pedalstimme. Auffallend ist in diesem Satz die ausgesprochen große rhythmische Vielfalt. Der 2. Satz Adagio e dolce steht im Gegensatz zu den Ecksätzen in F-Dur. Er erinnert in seiner sanften Art an eine Pastorale. Seine beiden Teile beginnen mit homophonen Passagen, bei denen sich die Oberstimmen ruhig in Terzen und Sexten bewegen. Bach verwendete diesen Satz später als Mittelsatz für sein Tripelkonzert a-Moll für Violine, Querflöte und konzertierendes Cembalo (BWV 1044) und fügte eine vierte Stimme hinzu. Der 3. Satz Vivace weist eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 1. Satz auf, ist allerdings deutlich lebhafter. Beide Sätze stehen in Da capo-Form.

Die Fantasie f-Moll KV 608 ist eines von drei Werken, die Wolfgang Amadeus Mozart im Auftrag des Grafen Joseph Deym für Flötenuhr (einen selbstspielenden Orgel-Automaten) geschrieben hat. Darüber hinaus gibt es aus der Wiener Klassik äußerst wenige Kompositionen für Orgel solo. Graf Deym erwarb 1790 einen Ausstellungsraum, in dem er eine Art Mausoleum mit dem Wachsportrait des kurz zuvor verstorbenen österreichischen Feldherrn Freiherr von Laudon einrichtete. Dort sollten von einem Orgel-Automaten Trauermusiken gespielt werden. Mozart nahm diesen Auftrag nur aus finanziellen Gründen an, da er zu diesem Zeitpunkt Schulden hatte, er komponierte zunächst die Fantasie KV 594 und später die Fantasie KV 608. Wie aus einem Brief an seine Frau hervorgeht, hätte er gerne für einen größeren Musikautomaten komponiert, allerdings nicht für einen „aus lauter kleinen Pfeifchen, welche hoch und [ihm] zu kindisch laute[te]n.“ Der große Tonumfang beider Fantasien und der gravitätische Charakter zeigen allerdings, dass das Instrument wohl doch größer gewesen sein muss als allgemein üblich. Das Werk ist dreiteilig angelegt. Die zwei das Andante umrahmenden großen Allegro-Teile bestehen dabei sowohl aus majestätischen akkordischen Blöcken als auch aus zwei Fugen, denen sich eine Engführung anschließt. Diese steigern sich zudem in ihrer Komplexität und Bewegung. Das Andante in der Mitte besteht aus Variationen über ein kantables Thema in As-Dur und führt schließlich mit Läufen und langen Trillern zurück in den akkordischen Teil.

Franz Liszt komponierte die heute fast vergessene Urfassung dieses eindrucksvollen Orgelwerkes für die Einweihung der von Friedrich Ladegast gründlich überarbeiteten großen Orgel im Merseburger Dom am 27. September 1855. Da das Stück nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte, spielte der von Liszt außerordentlich geschätzte Orgelvirtuose Alexander Winterberger stattdessen ein anderes Orgelwerk Liszts. Die erste Fassung wurde von ihm schließlich am 13. Mai 1856 im Merseburger Dom uraufgeführt. Das Publikum war begeistert. Da wenige Organisten in der Lage sein würden, dieses besonders im Pedal sehr virtuose Werk zu spielen, überarbeitete Liszt es gründlich. Dabei wurden einige Pedal-Passagen vereinfacht und auch sonst ganze Abschnitte gestrichen und neue eingefügt. Im Jahre 1871 erschien eine Klavierbearbeitung von Liszt selbst unter dem Titel „Fantasie und Fuge über das Thema B-A-C-H“. 1872 erschien letztlich die heute fast ausschließlich aufgeführte zweite Orgelfassung unter dem Titel „Praeludium und Fuge über B-A-C-H“. Diese erklingt auch im heutigen Konzert. Während in der Urfassung Registrierungsangaben speziell für die Orgel im Merseburger Dom, die die Größte ihrer Zeit war, standen, überlässt Liszt die Registrierungen in der zweiten Fassung dem Interpreten und macht auch nur wenige Vorgaben zur Dynamik und Artikulation. Dieses Orgelwerk Liszts ist sehr pianistisch komponiert. Das Thema B-A-C-H ist im Praeludium omnipräsent. Die Fuge geht nach der vierstimmigen Exposition in eine Fantasie mit schnellem Laufwerk und Trillern über, um letztlich in einem gravitätischen Schluss zu enden.


Im Triptychon über den gregorianischen Pfingsthymnus Veni creator spiritus, das Maurice Duruflé 1930 im Alter von 28 Jahren schrieb und seinem Lehrer Louis Vierne widmete, zeigt sich die starke Verbundenheit des Komponisten mit dem Gregorianischen Choral, die sich durch sein gesamtes kompositorisches Schaffen zieht. Sowohl der lateinische Hymnus (GL 341) als auch seine deutschen Übertragungen Komm, Heilger Geist, der Leben schafft (GL 342) und Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (EG 126) finden sich in unseren Gesangbüchern. Duruflés Werk beginnt mit einem Prélude, das noch nicht den gesamten Hymnus, sondern nur einzelne Fragmente zu Gehör bringt. Auch im darauffolgenden Adagio erklingt der Hymnus noch nicht in Gänze. Mit dem Choral varié geschieht dies endlich. Erhaben und in einem rein diatonischen fünfstimmigen Satz erscheint der Hymnus in seiner schlichten Majestät (Andante religioso). In der ersten Variation (Poco meno lento) liegt der cantus firmus im Pedal. Die rechte Hand hat dabei eine sich mehrfach wiederholende, aus der dritten Choralzeile gewonnene Gegenstimme, deren Zeilenanfänge und Zeilenenden immer versetzt zu denen des cantus firmus sind. Die linke Hand begleitet beide Stimmen mit triolischen Bewegungen. In der zweiten Variation (Allegretto) liegt die Choralmelodie in der Oberstimme der rechten Hand, die gleichzeitig in der Mittelstimme durchgängig Achtel-Triolen erklingen lässt. Dem gegenüber stehen die duolischen Achtel der linken Hand. Die dritte Variation (Andante espressivo) stellt einen Quint-Kanon zwischen der Oberstimme und dem Pedal dar. Beide Stimmen befinden sich dabei in etwa gleich hoher Lage. Im Pedal erklingt eine Flöte 4', während im Manualsatz eine sphärische Streicherschwebung zu hören ist. Die vierte Variation (Allegro) ist zusätzlich als Final bezeichnet und in Art einer Toccata komponiert. Alle bisherigen Variationen haben den gesamten Hymnus nur einmal durchgeführt und waren somit auch relativ kurz. Die Schlusstoccata beginnt relativ leise und steigert sich immer mehr bis zum Tutti der Orgel. Nach einer motivischen Einleitung erklingt der Choral in seiner vollen Länge im Kanon zwischen Sopran und Bass. Danach werden einzelne Motive des cantus firmus in immer größerer Ekstase wiederholt und fortgeführt, bis das Werk in einer Art Ostinato endet.

Mechthild Scholz

Mechthild Scholz